Autor Thema: Tipps gegen Schreibblockaden  (Gelesen 702 mal)

Offline Renate Stieger

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Tipps gegen Schreibblockaden
« am: Dezember 15, 2016, 01:01:31 Nachmittag »
Tipps gegen Schreibblockaden

Schreibblockade? Sie sind nicht allein, das ist nichts Außergewöhnliches, auch Ihre Professoren haben schon vor einem leeren Dokument gesessen und sich lieber noch einen Kaffee gekocht oder wiederholt den Inhalt des Kühlschranks kontrolliert (und tun dies vielleicht immer noch). Dazu kommt: Man kann von niemandem verlangen, dass sie/er von Anfang an das Wissenschaftliche Schreiben perfekt beherrscht, das will gelernt sein.

Eine Schreibblockade liegt vor, wenn Sie über einen längeren Zeitraum keinen Satz zu Papier bringen können. Es kann daran liegen, dass der Stoff noch nicht genügend bearbeitet ist, dass noch wichtige Recherchen fehlen oder dass die Gliederung noch nicht passt. Auch können private Probleme das Schreiben von Texten nachhaltig erschweren.
Schreibblockaden können auch pathologisch sein, beispielsweise, wenn sich die Aussicht, eine Arbeit schreiben zu müssen, negativ auf die Gesundheit auswirkt (Schlaflosigkeit, Panikattacken und ähnliches). In diesem Falle sollte psychotherapeutische Hilfe in Anspruch genommen werden.

Falls diese Ursachen nicht zutreffen und Sie dennoch eine Schreibblockade haben, können Ihnen die folgenden Tipps helfen:

Selbstvertrauen und Gewissheit

Selbstvertrauen ist so wichtig wie die Gewissheit, dass nichts von Anfang an perfekt sein muss, sondern dass man den Text später noch überarbeiten kann.

Der Schreibauftrag

Der Schreibauftrag muss klar formuliert sein, mit einer ebenso klar definierten Forschungsfrage. Blockaden können auch durch Unsicherheit und Ungewissheit der Aufgabe gegenüber entstehen.

Die Aufwärmphase

Bevor Sie mit dem Formulieren Ihres Textes beginnen, sollten Sie einige Zeit darauf verwenden, die Gedanken, Gefühle, Fragen, Probleme und Ideen, die Ihnen im Zusammenhang mit der Arbeit durch den Kopf gehen, zu Papier zu bringen. Die Konzentration auf Ihre Arbeit fällt Ihnen anschließend leichter.

Der Beginn

Ein Text muss nicht in chronologischer Reihenfolge geschrieben werden. Die Chronologie eines Textes in Form einer Gliederung ist natürlich unumgänglich, aber an welcher Stelle Sie mit dem Erstellen des Textes beginnen, bleibt Ihnen überlassen. Eine Einleitung schreibt sich vielleicht besser zum Schluss und das Formulieren einer These fällt vielleicht leichter, wenn Sie den dafür relevanten Text gerade gelesen haben, nicht erst Wochen später.

Für wen schreibe ich?

Man sollte sich nicht den Professor vor Augen halten (der „alles besser weiß“). Stellen Sie sich jemanden aus Ihrem Zielpublikum oder aus Ihrem persönlichen Umfeld vor, für den Sie Ihre Arbeit schreiben. Das Formulieren des Rohtextes kann durchaus im Stile eines Briefes geschehen, Sie können ihn ja auch nach seiner Fertigstellung in die wissenschaftliche Form bringen.

Die eigene Sprache

Was man nicht in eigenen Worten wiedergeben kann, bleibt einem fremd. Der Versuch, wie sein Vorbild zu schreiben, blockiert vor allem die eigene Kreativität. Es hilft, sich mit wissenschaftlicher Literatur auseinanderzusetzen, sie zu lesen und zu verstehen und die Kerngedanken der Texte in eigenen Worten in die Arbeit einzubauen. Haben Sie den Mut, sich Ihrer eigenen Sprache zu bedienen.

Kleinteilige Gliederung

Zerlegen Sie Ihren Text in kleine Textbausteine, gliedern Sie nicht nur den Gesamttext, sondern auch die einzelnen Kapitel/Teile. Notieren Sie, in welcher Reihenfolge Sie Ihre Argumente vorbringen, bevor Sie anfangen zu schreiben. Dann fällt das Formulieren leichter und für spontane Gedanken kann rasch der richtige Platz gefunden werden.

Stilistische Bremsen

Erinnern Sie sich daran, dass noch nichts perfekt sein muss. Beginnen Sie nicht schon bei der Erstellung des Rohtextes mit stilistischen Korrekturen. Das bremst den Schreibfluss und die Konzentration liegt nicht mehr beim Thema. Besser ist es, möglichst ganze Sätze zu notieren, die eine Aussage klarmachen. Die stilistische Eleganz kommt am Schluss.

Zeiteinteilung und Pausen

Wenn Sie versuchen, sich einen ganzen Tag auf ein Thema zu konzentrieren, lässt eine Schreibblockade meist nicht lange auf sich warten. Gliedern Sie Ihre Zeit in sinnvolle Arbeitseinheiten. Beginnen Sie mit einer halben Stunde und steigern Sie das Pensum langsam auf eineinhalb Stunden. Machen Sie öfters Pausen, besonders dann, wenn Sie zu einem neuen Thema wechseln. Planen Sie Freizeit ein, arbeiten Sie nicht unter Zeitdruck. Und selbst gesetzte Zeitlimits beim Arbeiten verhindern, dass Sie einem bremsenden Perfektionismus verfallen.

Schreibphasen

Schreiben, bis Ihnen nichts mehr einfällt, ist keine gute Idee. Am nächsten Tag ist es umso schwerer, wieder in den Schreibfluss zu kommen. Besser ist es, sich einen Abschnitt vorzunehmen und weitergehende Gedanken nur zu notieren, unter der Fragestellung: "Wie lege ich die Fortsetzung des heute geschriebenen Kapitels an?"

Schreibgruppen

An manchen Universitäten gibt es Schreiblabors und Schreibgruppen für wissenschaftliche Arbeiten. Falls Sie diese Möglichkeit nicht haben, können Sie Ihre eigene Schreibgruppe gründen. Schreibgruppen haben den Vorteil, dass alle Teilnehmer über einen bestimmten Zeitraum zusammen sind. Das schafft Austausch untereinander und bewirkt, dass Sie meist länger und konzentrierter an Ihrer Arbeit sitzen, als alleine zu Hause, wo die Ablenkung lockt.

Schreibort

Grundsätzlich gilt schon: Der Schreibtisch, der Arbeitsplatz und das Umfeld müssen zum Schreiben einladen und störende Einflüsse sollten vermieden werden. Aber ständig am eigenen Schreibtisch zu sitzen, kann ganz schön nerven. Nutzen Sie die Möglichkeiten, die Ihnen Laptop und WLAN bieten. Sie können auch in einem Café, Museum oder im Freien schreiben. Ortswechsel haben immer auch zur Folge, dass sich die Gedanken neu sortieren. Eine andere Umgebung beflügelt die Sinne.

Das Reden

Sollte der Schreibprozess zu sehr ins Stocken geraten, hilft auch das Reden mit anderen Personen. Es ist nicht notwendig, dass sich diese andere Person mit dem Thema auskennt. Es hilft schon zu versuchen, jemandem einen Gedanken mitzuteilen und in Worte zu fassen; das Sprechen löst Denkblockaden und führt im besten Fall zum "Aha-Effekt".

Persönlicher Zugang zum Thema

Sie haben Ihr Thema selbst ausgewählt. Schreiben Sie für sich auf, was Sie an dem Thema interessiert, wo liegen welche Berührungspunkte und welche Bedeutungen haben diese für Sie? Der persönliche Zugang zum Thema macht auch Ihr Schreiben engagiert und lebendig.

Gutes Gelingen!
R. Stieger, ASAS